SCHAUFENSTERKRANKHEIT

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Claudicat io ist ein lateinisches Wort und kann mit "Hin ken" übersetzt werden, gemeint ist eine Gangunregelmäßigkeit und intermittens bedeutet intermittierend, also zeitweilig aussetzend.

Die
Claud icatio intermittens wird medizinisch auch als Ch arcot Syndrom bezeichnet, in der Umgangssprache aber auch als Schaufensterkrankheit bekannt.

Weshalb die Bezeichnung Schaufensterkrankheit ?

Bei der sog. Schaufensterkrankheit ist die Gehstrecke der Patienten wegen einer stark verminderten, arterielle n (= die Schlagader betreffenden) Durchblutung stark eingeschränkt, so daß sie schmerzbedingt z.B. bei einem Gang durch die Stadt praktisch an jedem Schaufenster stehen bleiben um dadurch ein schmerzhaftes Hin ken zu kaschieren. Statt Schaufensterkrankheit wird teilweise auch der Begriff "Schaufenster beine" verwendet.

Wie verläuft die Schaufensterkrankheit ?

Die Schaufensterkrankheit entwickelt sich schleichend. Zunächst verspürt der Patient in den Beinen lediglich zunehmende Kälte- und Taubheitsgefühle. Dann treten erstmals Schmerzen in der beanspruchten Muskulatur bei längeren Gehstrecken auf, die dann zu einer Pause zwingen, bis der Schmerz vergeht. Im weiteren Verlauf verkürzen sich die schmerz freien Gehstrecken immer mehr bis der bis dahin bestehende Bewegungsschmerz in einen Ruheschmerz übergeht. Im weiteren Verlauf droht dann die Amputation.

Wie entsteht die Schaufensterkrankheit ?

Die Schaufensterkrankheit basiert auf einer fortschreitende Arteriosklerose (= Verkalkung der Schlagadern). Diese führt zu Wandverhärtungen und -deformierung mit Elastizitätsverlust und zu einer zunehmenden Verengung der Gefäßlichtung. Weil sich dabei die Gefäße mehr und mehr verschliessen, spricht der Arzt in solchen Fällen von einer peripheren (= mehr oberflächliche, nicht Gehirn oder Rücken mark, i.e.S. Becken und Beine betreffende) arteriellen Verschluß krankheit, abgekürzt auch als AVK bzw. pAVK bezeichnet. Die AVK findet sich fast ausschließlich an den Beinen.

Die arterielle Versch lußkrankheit bzw. Schaufensterkrankheit wird in 4 Stadien eingeteilt:

  1. Objektiv faßbare Durchblutungsstörungen, die dem Patienten aber (noch) keine größeren Beschwerden bereiten, häufiger wird über Kälte- und Taubheitsgefühle in den Beinen geklagt.

  2. Auf dieser Stufe treten erstmals krampfähnliche Schmerzen in der beanspruchten Muskulatur im Sinne der Schaufensterkrankheit auf. Die schmerzfreie Gehstrecke wird im weiteren Verlauf immer kürzer.

  3. Die Betroffenen haben nunmehr auch in Ruhe Schmerzen.

  4. Neben starken Ruheschmerzen kommt es zu Nekrosen (= Absterben von Gewebe), es droht die Amputation

Was verursacht die periphere arterielle Versch lußkrankheit und damit die Schaufensterkrankheit ?

Als ursächlich bedeutsam gelten neben konstitutionellen (= anlagebedingten) Faktoren, zu denen auch das Altern zählt, u.a. die Lebensweise (z.B. fettreiche Nahrung), toxische (= giftige) Einflüsse (Nicotin), Bluthochdruck, Übergewicht, Stoffwechselleiden (z.B. Zuckerkrankheit) und chronische, z.B. rheumatische En tzündungen.
Untersuchungen deuten auf einen Zusammenhang zwischen einer Infektion
(= Ansteckung) durch Chlamydia pneumoniae und der Entstehung einer peripheren arteriellen Verschlußkrankheit bzw. der Schaufensterkrankheit.

Die Behandlung der peripheren arteriellen Versch lußkrankheit bzw. Schaufensterkrankheit:

Im frühen Stadium sollten ein Gehtraining und eine spezielle Gymnastik durchgeführt werden.
Bei der Schaufensterkrankheit helfen auch Bewegung
sbäder und Unterschenkel güsse.

Medikamentös werden immer wieder durchblutungsfördernde Mittel wie Naftidrofuryl, Pentoxifyllin und Buflomedil versucht, der Erfolg ist aber, gelinde ausgedrückt, bescheiden. Besser scheint das Prostaglandin E1-Analogon Alprostadil (Prostavasin®) zu wirken, insbesondere in Kombination mit einer kontinuierlichen Nervenblockade (siehe unten).
Zur Prophylaxe
(= Vorbeugung) einer arteriellen Thrombose (= Bildung eines Blutpfropfes in einer Schlagader) sollten Thrombozytenaggregationshemmer (= Mittel, die das Verklumpen der Blutplättchen verhindern), wie z. B. Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) eingesetzt werden.

Wichtig ist natürlich bei der Schaufensterkrankheit auch die Ausschaltung möglicher, auslösender Noxen (= giftigen Substanzen), die Behandlung der Grund- bzw. Begleitkrankheiten und das Management der weiter oben aufgeführten Risikofaktoren.

Gefäßoperationen sind im Stadium der Schaufensterkrankheit nur zurückhaltend einzusetzen. Sie können erwogen werden, wenn Aorten- und Becken arterienverschlüsse vorliegen, die anders nicht rekanalisiert (= aufgemacht) werden können. 

Von den einschlägigen Fachbereichen (Innere Medizin, Chirurgie) ist bisher noch weitgehend unbeachtet geblieben, daß die moderne Schmerztherapie über sehr wirksame und nachhaltige Methoden zur Behandlung der Schaufensterkrankheit verfügt.

Sehr hilfreich und effektiv sind bei der Schaufensterkrankheit sympathikolytische (= Aufhebung eines gefäßverengenden Nerven reizes, aber auch schmerzlindernd wirksam) Blockaden (= Betäubungen), so für den Bereich des Becken s und der unteren Extremitäten (= Beine, insbes. Oberschenkel) in Form einer niedrigdosierten kontinuierlichen epiduralen (= rücken marknahen) Blockade mit Katheter
Bei dieser Methode wird im Bereich der Lenden
wirbel ein dünner Kunststoffkatheter in örtlicher Betäubung eingelegt, der dann mehrmals täglich mit einer lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittellösung aufgefüllt wird. Unter dieser Behandlung ist dann die Schmerzempfindlichkeit im Bereich der unteren Körperhälfte vermindert oder gar aufgehoben und es kommt zu einer enormen Zunahme der Durchblutung. Die Konzentration des Wirkstoffes wird so gewählt, daß die Beweglichkeit, bzw. Kraft, nicht oder kaum eingeschränkt ist, so daß sich der Patient trotzdem frei bewegen und an einer Krankengymnastik teilnehmen kann.

Ist die Schaufensterkrankheit Folge einer Durchblutungsstörung der Unterschenkel oder Füße (eine Claud icatio kann auch vom Rücken mark ausgehen, die sog. Claud icatio spinalis), so ist auch eine längerfristige kontinuierliche Blockade des Nervus isch iadicus mit Katheter hilfreich (Klatt und Leser, 1994), auch ist das methodische Risiko geringer als bei der epiduralen Blockade.
Bei dieser Methode suchen wir von der Oberschenkel
rückseite her, handbreit unter dem Gesäß, den Ischias nerven in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen Kunststoffschlauch in die zugehörige Nerven scheide (= Gewebsumhüllung) ein. In den folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine verdünnte, örtliche Betäubungsmittel lösung eingespritzt. Je nach Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit. In dieser Situation kann dann intensiv krankengymnastisch behandelt werden. 
Da dieser Nerv auch vegetative
(= das unwillkürliche Nervensystem betreffende) Fasern mit sich führt, kommt es im korrespondierenden Gewebebereich zu einer Sympathikolyse (= Aufhebung eines gefäßverengenden Nervenreizes) und damit zu einer deutlichen Mehrdurchblutung, wie sie medikamentös systemisch (= durch eingenommene oder gespritzte Durchblutungsmittel) nie erreicht werden kann.

Besonders effektiv ist bei der Schaufensterkrankheit eine Kombination dieser Blockademethoden mit einer Alprostadil (Prostavasin®) - Infusionsserie.

Man kann das Lokalanästhetikum Lidocain (z.B. Xylocain 2%) (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen (= Spritzen in eine Schlagader) in die A. femoralis (= Beinschlagader) verabreichen, so z.B. 2-3 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel in die sog. Endstrombahn und führt dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung (Sympathi kolyse) bei gleichzeitiger Schmerzlinderung. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. Aus diesem Grunde wird in der klassischen Neuraltherapie bewußt um das Gefäß herum infiltriert.

Neuerdings führen wir bei einer arterielle n Durchblutungsstörung im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis-Therapie durch. Die Unterschenkel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Abhängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im Takt mit dem Pulsschlag) Gefäßtraining. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken). Auch eine sog. Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein.

Daß bei der Schaufensterkrankheit bzw. bei einer arteriellen Durchblutungsstörung die kontinuierlichen Blockaden wirklich helfen, ist inzwischen nachgewiesen, lesen Sie dazu eine Veröffentlichung der Universität Heidelberg: http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2000/646/pdf/DOKTOR.pdf (einfach anklicken).


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aktualisiert >08.03.2007</> ku sB  www.schaufensterkrankheit.com

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